Regenrinne

Hol doch deine Stifte raus. Benutz‘ doch deine Fantasie!

„Die grüne Regenrinne“ schreit nach einem Video und dafür brauche ich eure Hilfe. Mir ist nicht entgangen, dass viele von euch selbst vor kreativer Energie strotzen und ich denke es ist Zeit euch die Leinwand zu überlassen. Malt mir ein Video! …bzw. einen Comic, den ich euch am Ende aus all euren Bildern zu einem Musikvideo zusammenstelle und auf meinem Kanal veröffentliche. Sucht euch aus dem Song „Die grüne Regenrinne I bis III“ eine Stelle heraus, die euch besonders anspricht und transformiert sie in die sichtbare Welt. Euch sind dabei keine stilistischen Grenzen gesetzt. Ihr könnt malen oder zeichnen oder sticken… Ihr könnt Buntstifte, Kreide oder Acrylfarbe verwenden…

Ihr könnt auch Bilder zu mehreren Stellen machen aber bedenkt, dass das Endergebnis möglichst vielseitig werden soll und je mehr unterschiedliche Menschen ihren Pinselstrich im Video verewigen können, umso besser.

Scannt eure Bilder hochauflösend mit mindestens 300dpi ein und speichert das ganze als jpeg, bmp, png in einer Gesamtgröße von unter 10 MB. Diese könnt ihr dann ganz einfach per Klick auf die Textstelle hochladen. Beachtet allerdings den Zähler der jeweiligen Textstelle: ist dieser voll, könnt ihr zu eben jener kein Bild mehr hochladen. Benennt die Bilder mit euren Namen oder Künstlernamen, die im Abspann und in der Videobeschreibung genannt werden sollen.

Freudige Erregung macht sich breit… Auf zu den Pinseln!

 

Ich wollte eigentlich keine Fälle mehr lösen, doch als mich der glitzernde Tau
An jenem Morgen weckte und ich mitten im Raum mit Kippe im Maul
Bemerkte meine Gedächtnisdaten von gestern Abend sind nicht im Verlauf
Nahm ich die Ermittlungen auf

Ich hatte gesagt, dass ich auf Partys nur noch Krümelteechen trinke
Die Kotze in meinem Bett erhob eine kühne Gegenstimme
In meinem Schulterblatt steckte eine Küchenschere drinne
Und meine Hand umklammerte krampfhaft ein Stück grüne Regenrinne

Unter vorwurfsvoller Orgelmusik
Entluden sich die Fehler letzter Nacht in goldgereiftem Morgenurin

Ich frühstückte ein Corny-Riegel und eine Schüssel Ibuprofen
„Wie war ich hergekommen?“, murmelte ich vor mich hin wie ein Bibelgebet

Und wankte Feinstaub atmend durch Weihrauchschwaden
Sah vor meinem Reihenhaus parkend einen Einkaufswagen
An meinem Beinsaum nagten ein paar Schleimhautfaden
Ziehende Scheißhausmaden, Zeit für die Beweisaufnahme

Erstes Indiz: mein Schandmaul riecht
Kombiniere: ich war voll wie eine Strandhaubitze
Man versuchte mich auszuknocken wie ein Kampfshaolin
Immer noch schwankende, taumelnde Knie

Dieser Moment, wenn man beim Schlürfen solche Spuren durch den Sandstaub zieht
Dass es den Eindruck erweckt man trüge Langlaufski

Eine leere Flasche weist auf die Verstrickung eines Großkonzerns
Das Logo explosionsgefährlich wie der Todesstern
Drohgebärde eines Hirschs unterm Symbol des Herrn
Die Kräuter schienen nicht zu heilen, au contraire
Ein Giftanschlag sollte mich gemeingefährlich treffen
Ich glaubte nicht, dass hinter sowas Einzeltäter steckten

Sondern reiche Pädosekten oder frei gewählte Echsen
Geister, Feen und Hexen, geheime Alienmächte
Vielleicht und nur vielleicht war es auch eigene Fehleinschätzung
Aber da muss man dann schon von einer steilen These sprechen

Die Sonne schien und lehrte mir Reflektionsgesetze
Man sieht meine doofe Fresse in der spiegelnden Oberfläche
Meines schmierigen Dosenessens
Üblicherweise sah mein Gesicht anders aus, da war ein mystisches Zeichen

Mit den Erfolgsaussichten eines Schalke-Trikots
Zog ich durch Bibliotheken, wälzte eine halbe Millionen
Bücher von Altphilosophen aus allen Religionen
Las über Calvin und Co, forschte von Gallien bis Rom

In einem Hohlraum unter der Haltestation am Halleschen Tor
Entschlüsselte eine Keilschrift, den enthaltenen Code
Scheinbar gewann ein Eddingkünstler über mich das Gewaltmonopol
Und gestaltete grob auf meiner Stirn ein Phallussymbol
Mit einem faltigen Hoden, heh, okilidokoili

Ich übergab mich lachend in meine Dosenravioli
In dem Erbrochen schwamm ein bisschen Rohrblech und Holz
Zoom auf mein Gesicht
Fortsetzung folgt

Schonungslos donnerte der Himmel seine Strahlensalven
Glühend heiß, ich wollt‘ ein Temperaturtief
Doch es schob sich die Sonne wie ein zäher gelber Ladebalken
Über einen wolkenfreien Bluescreen

Hilft nichts, seit meinem Fall war ich Privatdetektiv
Doch freute mich auf die Aufklärung wie auf eine Vasektomie
Folgte der Spur meines nächtlichen Partymobils durch die Straßen Berlins
Und fand einen Anblick vor, als wäre ein Wal explodiert

Hab‘ spekuliert, dass man die Verwüstung als Satire versteht
Da war auf der Straße ’ne Schneise von Kotze, frei nach dem Motto: das Ziel ist der Weg
Die Fährte führte durch Shisha-Cafés und ’ne vietnamesische Videothek

Sah auf der Fahrt im Linienverkehr etwa sieben bis zehn mal die Liebe des Lebens

Doch das ist nur eine Trivialität, die Spur endet am Staatsmuseum
Aus Angst vor Restpopeln vollzog ich eine Nasenleerung
Durch ein Loch in meiner Hosentasche und mit flinken Händen
Zog ich meinen schweißklebrigen Hodensack von den Innenschenkeln

Fein rausgeputzt erforschte ich das Museum von innen
Hat das Gemälde geblinzelt oder sollte ich weniger trinken?

Statt Regenrinnen war nur ein trautes Paar Zähne zu finden
Die bei näherem Hinseh’n meinem Kumpel gehörten,

ich ließ sein Telefon klingeln
Das Freizeichen nährte die Hoffnung auf eine Zeugenaussage
Doch entgegen kam mir das Gegenteil einer Freundschaftsanfrage
Er wünschte mir lispelnd mit von Inzestmetaphern verdeutlichter Sprache
Für meine abscheulichen Taten Heuschreckenplagen

Mmh, ich muss hör’n, was wird auf den Straßen gemunkelt?
Schwang mich aufs Bike, denn ich hatte grad das Rad neu erfunden

Mein Kontaktmann stand rauchend vor ’ner HafenspelunkeDoch wollte den Mund nicht öffnen, als hätt‘ er Belag auf der Zunge

Vielleicht hilft ein Säckchen voller Münzen dem Gedächnis auf die Sprünge
Oder die Erfüllung sexueller Wünsche
Spaß bei Seite, „Hast du schon mal diesen Mann erblickt?“
Dabei zeigte ich auf mein eigenes Angesicht

Er stammelte grade noch den Namen einer heidnischen Stätte
Wo sie zu Heinekenfässern beten wie bei ’ner heiligen Messe
Man nennt es Kneipe und er sah mich dort in reizender Wäsche
Aber jetzt wäre er bereit, sein Schweigen zu brechen

Da infiltrierte ein Messerstich sein Polyestergemisch
Man wollte die petzende Snitch beseitigen oder besser noch ich

Besser wär’s, wenn jetzt mein Rad für einen Ortswechsel rollt
Auf den Ohren Steppenwolf
Fortsetzung folgt
Der Himmel hatte rötliche Streifen wie bei gereizter Haut
Als hätt‘ er dem Abend zugerufen, „Los, peitsch mich aus!“
Als ich zur Bar jenes verhängnisvollen Tages rollte
Glaubte ich ein Flashback kam, doch es war bloß Radarkontrolle

Inspektor Gatoah muss den Tatort begehen
Betrat die Arena, wo sie Leberkrebslotto zum Nationalsport erheben
In der schäbigen Schenke voller nutzloser Verlierer
Herrschte Duftnote Tequila und subtropisches Klima
Sauerstoff schaffte gegen die Koalition aus Exkrementwürze
Und Nikotin nicht mal die Fünf-Prozent-Hürde
Was ich empfand angesichts der fiesen Gerüche
War weit unten auf der Liste meiner Lieblingsgefühle

Bei den Tischen an der Wand saß ein Pizzalieferant
Mit einer Kippe in der Hand und ’ner gewissen Arroganz
Ich sah ihn misstrauisch an, bis ich es verstand
Der Typ ist kein bisschen für die Geschichte relevant

Fragte die Klofrau, „Wo geht’s denn hier zum Showdown?”
Keine Antwort, doch sie war nicht diskussionsfaul, ne
Sie war taub und hörte keinen Ton aus meiner Posaune
Ich grübelte über Widerspruch im Worte Tontaube

Tief in Gedanken sah ich hinter der Bar
Eine fast interstellare, zumindest himmlische Dame
Mir war als hörte ich Glocken läuten, wie bei ’ner Klingelanlage
Sie goss mehr Zucker in mein Herz als eine Trinkschokolade
Mehr Zucker als eine ganze Himbeerplantage
Sodass der Lautstärkeregler in meiner Stimme versagte:

„Schönen guten Abend!”, ich hoffte, dass ich kling‘ wie der Pate
Doch hatte den kindlich cringigen Charme von Internetsprache

Sie schien mich zu erkennen, was sie sichtlich erschreckte
Denn ihr Blick ging die Gesichtsfarbe wechselnd Richtung Sicherheitskräfte
Ich wollte punkten, indem ich vornehm wie ein Schriftsteller spreche
Doch da war nichts mehr zu retten, Alter, fick meine Fresse

Dabei hatte ich doch gedacht, meine Latzhosenjeans
Hätte die aphrodisierende Wirkung von Saxophon spielen
Überraschenderweise wollte sie keine Aktfotos schießen
Nach einer Backpfeife von ihr sah ich nur Astronomie

Man packte mich am Genick wie ein Kätzchen
Deutete auf die Liste von Gästen, die sie hier nicht mehr gern hätten
Auf dem Verbrecherfoto glich ich einem zerknitterten Frettchen
Man warf mich aus der Hintertür neben die Dixi-Toiletten

Und da sah ich sie – die grüne Regenrinne
Sollte ich in diesem Hinterhof den Übeltäter finden?
Das Regenrohr endete neben den Fässern voll Gerstensaft
Für den Gästeverzehr im Pub und ’nem vergessenen Werkzeugkasten

Wie die Gedanken so kreisten, hatte ich völlig unterbewusst
Mit Hammer und Meißel begonnen, Bier aus dem Tank abzuzweigen
Per Regenrinne, die meinen Munde dehnte und Schwangerschaftsstreifen erzeugte
Doch ich konnte noch immer nicht den Zusammenhang greifen

Fand keine offene Tür auf dem Gedankengang
Und trank und trank und trank und naja, da war halt Brand in mir
Der könnte bestimmt mit gewaltigen Böhen
Noch schlimmer den Wald zerstören als die Gewinnung von Palmkernölen

Als ich diesmal erwachte im Gebirge in Alpenhöhen
Umschwirrt von Galgenvögeln, nach wirklich geballter Dröhnung
Und nichts am Körper trug außer ein feuchtkaltes Höschen
War der Alte vergessen, es gab ein neuen Fall zu lösen